7 Fragen an Gründerin Josephin de Souza: Wie aus der Liebe zu einem Stoff ein Unternehmen mit Herz wurde

Für das hutch&putch-Team ist dieser Monat ein ganz besonderes Jubiläum: Wir werden 4 Jahre alt! Kaum zu glauben, wie sich aus einer Idee so eine schöne Geschichte entwickelt hat! hutch&putch bedankt sich von ganzem Herzen bei allen, die uns bei dieser Entwicklung begleitet haben. Zu diesem besonderen Anlass möchten wir euch hutch&putch heute auch mal von einer Seite zeigen, die ihr so sonst nicht zu sehen bekommt. Dafür haben wir mit Gründerin Josephin de Souza gesprochen und schenken euch ein paar ganz private Einblicke hinter die Kulissen.

Josephin de Souza Gründerin hutch&putch

1. Diesen Monat wird hutch&putch 4 Jahre alt. Wie fühlt es sich an, all das zu sehen, was in den letzten Jahren aus hutch&putch geworden ist?

„Für mich ist das unheimlich emotional“, erzählt uns Josephin. Sie sagt, sie blickt gerne zurück auf die Anfänge, diese verrückten Zeiten, und wie das alles Stück für Stück aus einer Idee und Faszination für das Material Musselin entstanden ist. Im August 2017 hatte sie das Label gegründet, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht. Als sie anfängt, erste Musselintücher zu verkaufen, ist ihr Sohn gerade mal ein knappes Jahr alt. Sie erinnert sich an Kartons über Kartons in ihrem Wohnzimmer. „Ich habe meist nachts gearbeitet und alle Pakete selbst eingepackt. Tagsüber hat dann mein Sohn gerne die vorbereiteten Pakete ausgepackt und Tücher hin-und hergetragen.“

Josephin sagt, sie habe vor hutch&putch nicht realisiert, was man schaffen kann, wenn man es wirklich möchte und dafür kämpft. Es macht sie sehr stolz zu sehen, wie sich das Label entwickelt hat. Diese Erfahrung möchte sie mit hutch&putch weitergeben: „Ich wünsche mir, dass das eine Message auch für andere Frauen und Mütter ist, die Mut macht und vielleicht auch inspiriert!“

2. Was hat dich damals zur Gründung deiner eigenen Firma bewegt?

Bevor Josephin hutch&putch gegründet hat, hatte sie viele Jahre in einem DAX-Unternehmen gearbeitet. Dort hat sie viel mitgenommen, gelernt und erlebt. Mit der Zeit wurde der Wunsch etwas eigenes zu schaffen immer greifbarer. „Ich wollte schon immer etwas bewegen und möchte sehen, was ich mit meiner Arbeit verändern kann." Josephin erzählt davon, dass sie sich bewusst ist, dass wir in Deutschland mit unheimlichen vielen Privilegien und Chancen aufwachsen. Das ist keine Leistung, sondern dem Zufall geschuldet. Dies trug maßgeblich zu dem Wunsch bei, der Welt etwas zurückzugeben. Josephin wollte einfach mehr. Spätestens als sie dann ihre eigenen Kinder bekommen hat, sei ihr bewusst geworden, welche Vorbildfunktion man als Elternteil übernimmt. Josephin möchte ihren Kindern vorleben, was sie selbst für richtig und wichtig hält. „Mit hutch&putch kann ich genau das realisieren, ein Vorbild für meine Kinder sein“, sagt Josephin.

Auf die Frage, ob Josephin sich als Idealistin bezeichnen würde, antwortet sie zunächst mit Nein. Jedoch steckt in jedem Menschen, der sich seiner eigenen Verantwortung bewusst macht, und als Konsequenz daraus nach der Verwirklichung bestimmter Ideale strebt und dafür mit Leib und Seele kämpft ein Funkeln, das ansteckend sein sollte.

3. Wofür bist du am meisten dankbar?

„Wenn es um mich als Privatperson geht, dann sind das meine gesunden, wundervollen Kinder. Sie jeden Morgen strahlend und munter zu sehen ist ein Glück, das man mit Worten gar nicht beschreiben kann und das wird, ohne nachzudenken immer das Größte für mich sein." Was hutch&putch betrifft, sei sie einfach sehr glücklich dafür, die Chance zu haben ihren Traum zu leben, was sie auch maßgeblich der Unterstützung Ihres Mannes verdankt. Sie genieße das Team aus ganz verschiedenen Mitarbeitern, mit denen sie nun Tag für Tag zusammenarbeitet„An einem Ort zu arbeiten, wo sich jeder mit seinen ganz eigenen Qualitäten und Eigenschaften einbringen kann, ist wirklich inspirierend und macht viel Freude.“ Sich gegenseitig immer wieder innerhalb des Teams zu motivieren ist etwas, wovon wir alle profitieren und das ist ein so schönes Gefühl, nicht nur für Josephin.

4. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Josephin lacht zunächst, als ihr diese Frage gestellt wird. „Naja, man kann sagen, dass ich meistens, wenn meine Kinder noch schlafen, anfange zu arbeiten. Während ich das Frühstück vorbereite prüfe ich meine Mails und verschaffe mir einen Überblick darüber, was heute so alles ansteht.“ Wenn sie dann ihre beiden Kinder in den Kindergarten gebracht hat, beginnt ihr Arbeitstag. Montags starten wir mit einem Teammeeting in die neue Woche. Es macht Sinn, sich abzustimmen und der Austausch ist wertvoll für alle. Trotz zunehmender Struktur bei hutch&putch variieren die Themen oft noch täglich. „Häufig packe ich auch operativ mit an. Es passieren Dinge, die keiner geplant hat, aber erledigt werden müssen. Dann setzte ich mich auch ins Auto und hole aus unserer Näherei Ware ab, die ganz schnell ins Lager zum Versenden muss. Der Nachmittag gehört allein den Kindern. An den Abenden wird dann sehr oft weitergearbeitet, wenn die Kinder im Bett sind.“ Nach wie vor liebt sie es, im Lager Pakete selbst zu verpacken. „Es macht Freude zu sehen was bestellt wird und ist ein tolles Gefühl es zu versenden!“

5. Gab es mal einen Punkt, an dem du Herausforderungen oder Rückschläge erlebt hast, die dich haben zweifeln lassen, und an denen du alles am liebsten hingeschmissen hättest?

Ein Unternehmen zu gründen und zu führen ist viel Arbeit, viel Verantwortung, viel Druck. Es gab aber seltene Momente, in denen Josephin gerne alles hingeschmissen hätte. Denn sein gesamtes Herz in eine Sache zu stecken, bedeutet auch, dass für andere Dinge weniger Platz bleibt und das Privatleben an manchen Stellen zu kurz kommt. „Ich erinnere mich tatsächlich auch gerne an einen meiner ersten großen Rückschläge mit der Firma.“ Josephin hatte damals angefangen Schlafsäcke zu produzieren und zu verkaufen, und die Nachfrage ist sehr schnell gestiegen, weswegen sie sich auf die Suche nach einer neuen Näherin machen musste. Und aus der Begeisterung und der Motivation das neue Produkt schnell auch weiterhin anbieten zu können, sei sie ungenau mit ihren Vorgaben an die Näherin geworden. Das Ergebnis: 80 Schlafsäcke, die gar nicht so waren, wie sie sein sollten und somit nicht verkauft werden konnten. „Ich war so motiviert, dass ich Hürden ausgeblendet habe“, erinnert sie sich. Das war finanziell ein hoher Schaden und die Absage an interessierte Kunden fiel ihr nicht leicht. „Das sind Momente, in denen mir auch mal alles zu viel wurde und ich mich gefragt habe, ob es Sinn macht weiterzumachen. Aber immer habe ich mich dann zusammengerissen und mir vorgenommen: So einen Fehler mache ich nie wieder!“ Heute weiß Josephin, wie wichtig diese Rückschläge sind, denn an ihnen wächst man und ist vorbereitet, für alles was noch kommt. „Deshalb pflege ich in unserem Team einen offenen Umgang mit Fehlern.“

Bis heute gab es keinen Zeitpunkt, an dem sie keinen Spaß daran hatte, an hutch&putch zu arbeiten, erklärt sie. "Das gibt Kraft und motiviert für die ein oder andere Nachtschicht." Trotzdem ist es wichtig auch Auszeiten zu haben und mal einen Gang runterzufahren. Auch das habe sie in den letzten 4 Jahren gelernt.

6. Wie kam es eigentlich zu dem Namen hutch&putch?

„Die Inspiration zur Namensgebung hutch&putch kam durch meinen ersten Sohn“, erklärt Josephin. Dazu gibt es eine nette Geschichte: Da ihr Mann Brasilianer ist, wurde ihr Sohn von der Cousine des Vaters immer liebevoll „chucrute“ genannt, was übersetzt Sauerkraut bedeutet. Daraus entwickelte sich dann der Kosename „hutschi“.

Als es dann später um die Namensfindung für das Unternehmen ging, ist Josephin das sehr locker angegangen und hat sich gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Da es eben ein Label für Kinder ist, sollte es lustig und positiv sein, aber auch persönlich. Und was könnte persönlicher sein als das eigene Kind? So kam es dann zu hutch&putch, worauf ihr Sohn mächtig stolz ist. 

7. Wo soll dein Unternehmen in Zukunft stehen?

Diese Frage findet Josephin schwierig zu beantworten. „Ich bin kein Visionär, sondern eher ein Macher und sehe immer nur den unmittelbar nächsten Schritt vor mir. Es passiert so viel im Leben und es ist schwer vorhersehbar, was so alles kommt. Wenn hutch&putch sich weiterhin so positiv entwickelt, haben wir die Möglichkeit, mehr zu bewegen und zu verändern. Ich möchte mich mit hutch&putch auch zukünftig für die Dinge einsetzen, die mir wichtig sind, wie der faire Umgang mit Menschen und der Erhalt unserer Natur.“ Eine Vision hat sie dann aber doch: „Es wäre ein riesiger Erfolg, Druck auf die Branche ausüben zu können, damit Stoffe endlich nachhaltiger produziert werden und Textilien mit einem guten Image nicht mehr nur ein Nischenprodukt sind." Am Ende lässt die Macherin doch einen kleinen Ausblick in die Zukunft erhaschen: „Ich glaube daran, dass man Musselin im deutschsprachigen Raum bald vor allem mit hutch&putch verbindet.“

Autorin: Jane-Lee Fromm

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