Geburtsphasen – Wie läuft eine Geburt eigentlich ab?

Wie läuft eine Geburt eigentlich ab? Welches sind die einzelnen Phasen der Geburt, welche Funktion haben sie und was passiert mit dem Baby während dieser Phasen? Zu wissen, was auf dich zukommt und die jeweiligen Schritte der Geburt zu verstehen kann dir dabei helfen, dich besser auf deine Geburt einzulassen und mental darauf einzustellen. Deshalb haben wir gemeinsam mit Steffi und Janine von Hey Wow Mom hier mal die wichtigsten Infos für dich zusammengefasst. 

Eine Sache vorab: Statt des mit starken Schmerzen belegten Begriffs der Wehen bevorzugen wir das Bild der Wellen, die sanft am Knöchel begingen und immer größer, kraftvoller und stärker werden und den gesamten Körper der Frau durchwandern. Sie sind es, die der Mutter schließlich ihr Kind immer näher bringen.  

 Wann beginnt eigentlich die Geburt?
  1. Bei regelmäßig stattfindenden Wellen (Abstand und Intensität sind nebensächlich), die wirksam am Gebärmutterhals und Muttermund sind und damit nach und nach zur Öffnung des Muttermunds führen  
  2. und/oder bei einem Blasensprung.
1. Die Latenzphase

= frühe Eröffnungsphase – von Wehenbeginn bis 4-6 cm Öffnung des Muttermunds

Die Dauer und der Verlauf der Latenzphase ist sehr individuell und abhängig vom Geburtsbeginn. Nach einem Blasensprung ohne Wellen kann beispielsweise für 24 Stunden nichts weiter passieren. Frauen, die ihr zweites oder drittes Kind erwarten, können diese Phase wiederum überspringen. Je mehr Kinder eine Frau geboren hat (Parität), desto besser weiß der Körper, was genau er zu tun hat und desto schneller startet er durch. Bei Erstgebärenden wiederum kann sich die Latenzphase über viele Stunden hinziehen.  

Das Baby nimmt in dieser ersten Phase Bezug zum Becken auf und schiebt sich mit dem vorangehenden Körperteil (meist dem Köpfchen) in das Becken. Damit übt es Druck auf Muttermund und Gebärmutter aus, die sich nun öffnen.  

Der Frau dient diese Phase dem Reinfinden in den Rhythmus der Wellen - hier geht es um das Erfahren ihrer Kraft und des Schmerzes. Oftmals tut hier die Badewanne, schlafen oder auch schon das Einfinden in den meditativen Zustand gut.  

Es gibt hier keinerlei Zeitdruck - wichtig ist, zu schauen, was in dem Moment gerade gut tut. Oftmals kann es sehr entspannend sein, so lange wie möglich Zuhause zu bleiben und noch nicht sofort in die Klinik zu fahren. Bei einer außerklinischen Geburt wiederum beginnt hier oftmals schon die sanfte Zuwendung durch die Hebamme.

2. Die aktive Eröffnungsphase

= 6cm bis vollständige Muttermundöffnung  

Wenn der Muttermund etwa 6 cm geöffnet ist, beginnt die aktive Eröffnungsphase. Die Wellen sind jetzt regelmäßig, sehr kraftvoll und intensiv. Das Köpfchen des Babys übt Druck auf den Muttermund aus, damit dieser sich weiter öffnet - das Baby schiebt und dreht sich durch das Becken.  

Damit nimmt der Geburtsprozess Fahrt auf und wird sehr dynamisch. Der Verlauf der Eröffnungsphase ist sehr individuell und je nach Anzahl der geborenen Kinder wiederum auch ganz unterschiedlich lang.

3. Die Austrittsphase

Die Austrittsphase wird in den passiven und den aktiven Austritt geteilt - wobei allerdings nicht jede Frau die passive Phase erlebt. Je nach Geburtsverlauf wird diese möglicherweise übersprungen und nach vollständiger Öffnung des Muttermunds folgt direkt die aktive Austrittsphase.  

Passiv = kurzer Break nach Öffnen des Muttermunds / Wellenpause  

Die passive Austrittsphase kann auch als die Geburt in der Geburt bezeichnet werden. Unmittelbar nach Öffnen des Muttermunds hält der Körper nahezu inne. Dies ist der Moment, in der viele Frauen ganz körperlich realisieren, dass sie jetzt Mutter werden. Sie kommen in das komplette Bewusstsein, dass sie nun ihr Kind gebären und es schon bald in den Armen halten werden.  

„Hier wird die Mutter geboren. In keinem Moment des Geburtsgeschehens kommt die Frau so stark in Kontakt mit ihrer eigenen Biografie, mit der Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihrer Weiblichkeit und Sexualität.“ (Hebammenforum, Mai 2013) 

In dieser Phase ist sehr viel Geduld und vor allem Sorgfalt und Zurückhaltung von allen anwesenden Begleitpersonen gefragt. Diese passive Austrittsphase ist jeder Mutter so sehr zu wünschen und es ist so wichtig, sie hier nicht zu unterbrechen.

Aktiv = Pressdrang  

In dieser vorletzten Phasen der Geburt verspüren Frauen einen besonderen Pressdrang. Hier brauchen sie all ihre Kräfte. Diese wirken nun auch auf das Kind, bis zu 50 Kilogramm Gewicht wirken hier auf das Baby.  

Während bei der Geburt bis hierhin vor allem die Schwangere im Fokus stand, ist jetzt viel Aufmerksamkeit auf das Kind gerichtet. Das Baby schiebt sich nun vor, bis es den Damm durchtritt. Zunächst wird der Kopf geboren, es folgt die Schulterdrehung und dann wird das Kind vollständig geboren.

4. Die Nachgeburtsphase

= Plazentageburt   

Die Nachgeburtsphase ist die Zeit zwischen der Geburt des Babys bis zur vollständigen Plazentageburt inklusive der Eihäute.  

Auch hier ist die Dauer unterschiedlich, durchschnittlich beträgt sie etwa 5 bis 30 Minuten. In dieser Zeit erfolgt auch meist die Abnabelung - die Nabelschnur zwischen Baby und Plazenta wird durchtrennt. Bei einer natürlichen Spontangeburt entscheidet die Mutter, wann sie das möchte - viele Frauen wünschen sich beispielsweise ein spätes Abnabeln nach dem Auspulsieren, einige wenige Frauen wiederum sogar eine Lotusgeburt. Hier bleibt die Plazenta so lange am Baby, bis sie sich von allein ablöst.  

Die Nachgeburtsphase ist das Finale der Geburt - erst jetzt ist sie wirklich beendet.

Autorin: Jane-Lee Fromm

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